Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge

von Iris Olzog

Nach der Neufassung der §§ 1626 a, 1671 BGB ist die gemeinsame elterliche Sorge nun der Regelfall und die Alleinsorge die rechtliche Ausnahme. Nur wenn die Eltern sich nicht über die wesentlichen Belange des Kindes - auch nicht unter Zuhilfenahme Dritter - eingen können, kommt die Alleinsorge in Betracht.

Für die gesunde Entwicklung des Kindes ist aber umgekehrt eine enge vertrauensvolle Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig, so dass die Aufrechterhaltung der gemeinsamen Sorge nur im Kindeswohlinteresse liegt, wenn sich bei dem Kind das Bewusstsein entwicklen kann, beide Elternteile seien über die Trennung hinaus an seiner geistig-seelischen Entwicklung gleichermaßen interessiert, würden Verständnis für seine Bedürfnisse zeigen und zu einer Verantwortungsübernahme für seine kindergerechte Bedürfnisumsetzung gewillt sein, vgl. Beschluss des OLG Köln vom 02.07.2012, Aktenzeichen II 4 UF 91/12.

Ergibt sich aus dem Vortrag der Eltern, dass der Elternteil, bei dem das Kind nicht seinen Lebensmittelpunkt hat, sich zwar in der Vergangenheit wenig um das Kind gekümmert, aber weitgehend in allen wesentlichen Belangen der elterlichen Sorge mitgewirkt oder die Entschiedung des anderen Elternteils mitgetragen hat, ist kein Raum für eine Alleinsorge, vgl. Beschluss des OLG Köln vom 04.07.2012, Aktenzeichen II 4 UF 91/11. Gleiches gilt, wenn eine umfassende Vollmacht eines Elternteils an den anderen ohne erhebliche Streitigkeiten über das Sorgerecht eingeräumt ist, vgl. Beschluss des OLG Schleswig vom 03.01.2012, Aktenzeichen 10 WF 263/11.

Allerdings setzt die Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern voraus, an der es in den Sonderfällen wie häusliche Gewalt oder psychischer Erkrankung fehlt, vgl. Beschluss des OLG Saarbrücken vom 05.12.2011, Aktenzeichen 9 UF 135/11 und Beschluss des OLG Brandenburg vom 25.07.2011, AKtenzeichen 9 UF 80/11.

 

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