Entzug des Kindes - was kann der andere Elternteil tun?

von Iris Olzog

Verbringt ein Elternteil ein Kind ohne Zustimmung des anderen Elternteils in ein anderes Bundesland, ist eine Entscheidung über den Antrag des zurückgelassenen Elternteils auf Übertragung des Aufenthaltsbestimmunmgsrechts vorrangig am Kindeswohl zu orientieren, d.h. es geht bei der Entscheidung nicht um eine Bestrafung des Elternteils sondern um die Prüfung, ob durch das eigenmächtige Vorgehen des Elternteils das Wohl des Kindes gefährdet ist und ob Rückschlüsse auf die Erziehungsfähigkeit dieses Elternteils möglich sind. So jedenfalls führte dies das OLG Nürnberg in seinem Beschluss vom 22.05.2013 - Aktenzeichen 7 UF 641/13 aus.

Erleichternd für den zurückgelassenen Elternteil ist sich auch die Vorschrift des § 154 FamFG. Dort heißt es:

Das nach § 152 Abs. 2 zuständige Gericht kann ein Verfahren an das Gericht des früheren gewöhnlichen Aufenthaltsorts des Kindes verweisen, wenn ein Elternteil den Aufenthalt des Kindes ohne vorherige Zustimmung des anderen geändert hat. Dies gilt nicht, wenn dem anderen Elternteil das Recht der Aufenthaltsbestimmung nicht zusteht oder die Änderung des Aufenthaltsorts zum Schutz des Kindes oder des betreuenden Elternteils erforderlich war.
 
Somit kann der zurückgelassene Elternteil den Rechtsstreit regelmäßig dort führen, wo das Kind seinen ursprünglichen Aufenthalt hatte, d.h. regelmäßig in seiner Nähe.

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