erhöhter Wohnbedarf nach SGB II durch Umgang mit Kind

von Iris Olzog

In der Praxis ist bisher selten ein Sozialleistungsempfänger auf den Gedanken gekommen, erhöhte Wohnkosten geltend zu machen, weil er für seine Kinder, zu denen er regelmäßig Umgang ausübt, Wohnraum vorhalten muss. Tatsächlich ist ein solcher Anspruch bei entsprechender Geltendmachung jedoch zu prüfen und im Einzelfall durchaus ein Anspruch begründbar. Für einen Bedarf ist eine Einzelfallprüfung vorzunehmen und Dauer und Umfang der Umgangskontakte ebenso wie das Alter und Geschlecht der Kinder zu berücksichtigen. Keinesfalls darf ein Sozialleistungsträger einen erhöhten Bedarf mit der pauschalen Begründung ablehnen, der Schwellenwert von 50 % der gesamten Zeit sei nicht überschritten. Im Gegenteil, wenn ein Elternteil jedes zweite Wochenende und die Hälfte der Ferienzeiten die Kinder bei sich aufnimmt, so müssen Wohnräume für die Kinder vorhaltbar sein. Die Größe richtet sich nach der Anzahl der Tage, die das Kind beim Elternteil verbringt. Regelgröße sind pro Kind 15 qm Wohnbedarf. Ist das Kind beispielsweise 4 bis 6 Tage im Monat beim Elternteil, sollten 25 % und somit 4 qm mehr Wohnraum zur Verfügung stehen. Bei 7 bis 9 Tagen sind es 35 % und somit 6 qm,  bei 10 bis 12 Tage sind 45 % und somit 7 qm anzunehmen, bei 13 bis 15 Tagen 50 %, d.h. 7,5 qm. Ein interessanter Aufsatz hierzu findet sich in der FamRB Nr. 8, 2014, Seite 307 ff.

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